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Der Schipperke in Deutschland

 

 

Über die Zucht des Schipperkes im deutschsprachigen Raum vor dem 2. Weltkrieg ist kaum etwas bekannt.

Kurz nach der Gründung des Royal Schipperkes Club de Belgique 1888 und des englischen Spezialclubs 1890 erhielt diese Rasse auch Einzug in den deutschsprachigen Raum, ohne allerdings je die Beliebtheit zu erlangen wie in Belgien und England. Die Schipperkes wurden durch die belgischen Flussschiffer bekannt, so soll die Rasse besonders auf den Lastkähnen des Spree- und Havelland-Kanals einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangt haben. Schenkt man den alten Überlieferungen Glauben, dann sollte nach dem Willen des König Friedrich II. von Preußen jeder Oderkahn einen Schipperke halten. Die Zucht der Schipperkes lag aber zu keinem Zeitpunkt in den Händen der Flussschiffer.

 

1906 wurde für Karl Schütze aus Berlin der Kennel „von Berlin“ geschützt, der somit als erster offiziell eingetragener Schipperke-Kennel gelten darf. Kurz darauf begann Erich Uthemann aus Dahlem die Zucht unter dem Kennel-Namen „von Teufelsheim“ und importierte Schipperkes aus der berühmten belgischen Zucht „de l’Enfer“ von J. Drossart und „v.d. Zwartenbende“ von Reuser Jr. Zu den erfolgreichsten Schipperkes gehörten seinerzeit Ch. Rigo von Berlin, Ch. Mucki vom Teufelsheim, Ch. Bärchen vom Teufelsheim und Ch. Xantippe vom Teufelsheim.

 

Erst im Jahre 1971 kam es wieder zur Gründung eines bedeutsamen Kennels, der die nächsten Jahrzehnte das Zuchtgeschehen in Deutschland bestimmte und deutsche Schipperke-Geschichte schrieb. 

Frau Ingeborg von Wedel aus Hamburg gründete ihren bekannten Kennel „de Wedele“, der bis zum Jahr 2000 aktiv war und eine beachtliche Nachzucht brachte.

Sie importierte aus den bekannten belgischen Kennel „du Petit Meerdael“ von T. Drabs die Hündin Tulli du Petit Meerdael, aus deren Verbindung mit Gamble of Schippland der Rüde Baron de Wedele hervorging. Kurz darauf wurde der Zuchtstamm um die belgischen Hündinnen Ch.Yosy d’Herly und Yvonne v.d. Duiveltjes erweitert.

 

Anfang der 80-iger Jahre entdeckte Frau von Wedel ihr Interesse an der amerkanischen Schipperke-Zucht und sah den berühmten Ch. Maroufke of Kelso aus der berühmten Zucht von Miss Isabell Ormiston als den idealen Schipperke an. Sie importierte aus dem bekannten Kennel „Dream On“ von Marcia Bailey den Ch. Dream On’s Vested Interest, Dream On’s Standing Ovation und Dream On’s Sizzlin Summer. Besonders Ch.DreamOn’s Vested Interest machte Furore auf den Ausstellungen und wurde deutscher Champion, Europasieger und Weltsieger 1981. Dieser Rüde beeinflusste von nun an die deutsche Zucht sehr und brachte eine sehr erfolgreiche Nachzucht. Aus seiner Nachkommenschaft sind als erfolgreich besonders Ch. Iowas Black Bird de Wedele, Ch. Lady Putti de Wedele, Ch. Ottmar de Wedele, Ch. Ottane de Wedele, Ch.Ypsi de Wedele und Ch.Big Bow de Wedele zu erwähnen.

 

Das Jahr 1992 brachte dem Kennel „de Wedele“ mit Ch.Corinnas Galax einen neuen Import aus der schwedischen Zucht von Agneta Johansson. Dieser Rüde führte auch südafrikanische Linien (Lynderry), was auch farbigen Nachwuchs brachte, der in Deutschland gemäß FCI-Standard nicht zugelassen ist. Im Jahre 1996 wurde der südafrikanische Jeanville Diggory Delvek von Frau von Wedel importiert. Dieser kleine Rüde wurde selten ausgestellt und brachte schwarzen wie andersfarbigen Nachwuchs hervor.

 

Aus der Nachzucht sind besonders erwähnenswert Ch.Louis-Diggory de Wedele, Ch. Nelson-Diggory de Wedele und Ch.Gamble Big Bow de Wedele. Letzterer Rüde ist wohl als der erfolgreichste Schipperke aus diesem Kennel zu bezeichnen. Neben zahlreichen BOB’s und Gruppenplazierungen gewann dieser wunderschöne Rüde auf der Clubsiegerausstellung des Royal Schipperke-Clubs de Belgique 1997 die Offene Klasse, die mit 36 Rüden international besetzt war. Dieser Erfolg im Mutterland der Rasse ist außergewöhnlich und stellt eine Sternstunde für diesen Kennel dar.

 

In diesem Kennel wurde eine konsequente Linienzucht verfolgt und fast ausschließlich nur mit eigenen Hunden und den Importhunden gezüchtet. Selten wurde mit fremden Deckrüden gezüchtet, eine Ausnahme bildet hier ein Wurf nach dem in Belgien stehenden Ch. Roetmop George aus der kanadischen Zucht von Miss Marjorie Kuyt.

 

Der große Verdienst dieser Zuchtstätte liegt nicht nur in den zahlreichen Zucht- und Ausstellungserfolgen, sondern auch darin, dass er die Rasse in Deutschland bekannter gemacht wurde und mit der Nachkommenschaft oft eigene Zuchten begründet worden sind.

 

Viele kleine Kennels züchteten auf der Basis der Nachwuchs des Kennel „de Wedele“ einige Würfe, allerdings oft eher aus Spaß an der Freude und ohne dass regelmäßig Würfe gezüchtet wurden.

 

Frau Ines Dowiasch-Nölp aus Calden gründete ihren Kennel „Blackskipper’s“ und begann mit einer Tochter von Nicodemus de Wedele, Esha vom Eichengrund, eine erfolgreiche Zucht. Frau Dowiasch-Nölp war begeister von dem auf den Ausstellungen seinerzeit äußerst erfolgreichen Rüden Ch.Kleingaul’s Huckleberry Finn aus der berühmten amerikanischen Zucht von Kathy Gaul-Montgomery. Dieser Rüde stand im dänischen Kennel „Little Norway’s“ von Reidar und Kirsten Hauge und wurde aktiv ausgestellt. Ch.Kleingaul’s Huckleberry Finn war bis ins hohe Alter ein wunderschöner Schipperke, der zahlreiche BOB’s, Gruppenplazierungen und Titel gewann.

 

Er begeisterte viele Schipperke-Liebhaber, so dass darauf hin Ch.Kleingaul’s Maid in America nach Deutschland importiert wurde, die erfolgreich im In- und Ausland gezeigt wurde.

Frau Dowiasch-Nölp züchtete Ihren ersten Wurf 1992 nach Hucks Enkel Ch.Little Norway’s Navy.

 

Schon bald ergänzten französische Importe wie Ch.Mona-Black-Forever des Rives du Lagon Bleu und Ch.Nina d’Aquila Meldensis die Zuchtstätte. Letztere Hündin stammt aus der alten Zucht und erfolgreichen von Michel Posset, die u.a. auf Wouldyoubelieve de Sang Bleu und Ch.Patent Pending de Sang Bleu aus dem langjährig aktiven amerikanischen Kennel der Familie Garrity zurückgeht.

 

Besonders Ch.Black Skipper’s Andy und Ch.Blackskipper’s Gismo waren auf Ausstellungen sehr erfolgreich.

Neben dem dänischen Rüden Ch.Schiphoff’s Dan verstärken seit dem Jahre 2005 die dänischen Importe Rondesminde’s Ronja und Rondeminde’s Robin die Zuchtbasis in diesem Kennel. Beide sind stammen aus der Verbindung der selbstgezüchteten Blackskipper’s Gina-Nina und des in Dänemark sehr erfolgreichen Ch.Rondesminde’s Codie ab.

 

Ende der 90-iger Jahre begann der Kennel „Sweet Devil’s“ mit der Zucht von Schipperkes. In diesem Zwinger von Andrea und Olaf Lange wurden bis zu diesem Zeitpunkt Cavalier-King-Charles-Spaniels gezüchtet. Der bekannte und erfolgreiche Rüde Ch.Nelson-Diggory de Wedele aus der Zucht von Ingeborg von Wedel begründete diese Zucht. Dieser Rüde wurde später auch außerhalb des Kennels in Deutschland und in Schweden als Zuchtrüde eingesetzt. Familie Lange bemühte sich die Zuchtbasis zu erweitern und importierte aktiv Schipperkes aus verschiedenen Ländern. Insbesonders aus den USA erfolgten Importe, so u.a. Ch.Blackcrest’s Demi Tasse, Blackcrest’s Sweet Sensation und Blackcrest’s Spirit of the West. Letzerer Rüde ist leider noch relativ jung an den Folgen eines Unfalles gestorben, so dass er lediglich noch in dem schwedischen Kennel Faksimil von Agneta Lindberg Nachwuchs zeugen konnte. Davon ist die Hündin Faksimil A Priori nach Deutschland importiert worden. Jüngst wurde der amerikanische Rüde Shalako’s Diego for Sweet Devils importiert. Darüber hinaus wurden Schipperkes aus dem britischen Shellkirma Kennel und aus anderen europäischen Kennels importiert. Im Laufe der letzten Jahre wurde sehr regelmäßig in diesem Kennel gezüchtet und Schipperkes ausgestellt, insbesondere Ch.Sweet Devil’s Perfect Day to Win Girl, Ch.Sweet Devil’s Rowdy the little Boy und Ch.Sweet Devil’s Lady of the Night gehören bis dato zu den erfolgreichsten selbstgezüchteten Schipperkes. Dieser Kennel kann nach der Aufgabe des Kennels „de Wedele“ derzeit als die aktivste deutsche Schipperke-Zucht bezeichnet werden.

 

Nebenher gibt es einige kleinere Kennels, die 1-2 Würfe im Jahr züchten und ihre Nachzucht gelegentlich auf Ausstellungen zeigen.

 

Die Rasse des Schipperkes hat sich in Deutschland nie größerer Beliebtheit erfreut und ist selten geblieben. Lediglich ein kleiner Kreis von Züchtern bemüht sich um die Rasse und versucht eine genetische Vielfalt durch Importe und Deckakte im Ausland zu erreichen. Bemerkenswerter Weise haben insbesondere amerikanische Importe das Zuchtgeschehen beeinflusst und in Kombination mit europäischen Zuchtlinien sehr erfreuliche Ergebnisse herbeigeführt. Das Rutenkupierverbot hat in Deutschland gottlob nicht zu einem Rückgang des ohnehin kleinen Bestandes geführt.

 

 

 

 

Hamburg, den 12.06.2008                           Rechtsanwalt Arne Schwarz