Get Adobe Flash player

 

 

 

 

   Der Schipperke – ein kleiner Schäferhund

                 In Österreich selten gesehen

 


 

       Rechtsanwalt Arne Schwarz schrieb im September 1994 diesen Artikel für die  

                                       österreichischen Hundeliebhaber.

 

   Der Schipperke ist die kleinste Variante aller bisher bekannten Schäferhunde. Die Bezeichnung “Schipperke leitet sich aus dem niederdeutschen Wort “Schäperke” ab , gleichbedeutend mit “kleiner Schäferhund”. Heute wird diese Rasse von der FCI in der Gruppe 1 (Schäferhunde) geführt und nicht etwa in der Gruppe 9 (Gesellschafts- und Begleithunde) oder in der Gruppe 5 (Spitze).

 

   Jahrzehnte lang herrschte Ungewissheit über die Einordnung dieser Rasse, während die Englander sie als Kleintiervernichter zu den Terrier zählten, ordneten andere Fachleute (z. B. Ludweg Beckmann) sie den Spitzen zu. Eine Minderheit sah im Schipperke einen Nachfahren einer unbekannten außereuropäischen Rasse.

 

   Die berühmten belgischen Kynologen Huge und Verbanck ordneten den Schipperke auch wegen seines wölfischen Aussehens als Schäferhund ein. Dieser wölfische Typ (verantwörtlich dafür sind Anteile nordischen Blutes) könne auch bei den verschiedenen Schäferhunderassen beobactet werden: ein keilförmiger Kopf und aufrechte, spitzzulaufende Ohren.

 

   Dieser Streit über die Herkunft gilt heute als beigelegt. Als Allrounder wurde der Schipperke in Belgien von den Schäfern als Hütehund, als Wachhund auf den Höfen, zur Jagd und als Ungeziefervernichter in den Pferdestallungen genutzt. Schon im 15. Jahrhundert schrieb der Mönch Wenzel in einer Chronik, es gäbe in Brüssel kein Haus, in welchem nicht ein kleiner schwarzer schwanzloser Hund säßë. Um 1690 war der Schipperke dann der Liebling der Brüsseler Schuster, die regelmäßig Treffen organisierten.

 

   Im frühen 19. Jahrhundert war der Schipperke der wohl am häufigsten vertretenste Haushund in Belgien.

 

   Bis zum ersten Weltkrieg gab es sehr viele Schipperkes auf Belgiens Flußschiffen. Als die Flußschiffahrt dann niederging, nahm auch die Zahl der Schipperkes ab.

   Obwohl die Rasse immer selten geblieben ist bestehen heute in Frankreich, den Niederlanden, England, Belgien und Schweden solide Zuchtstämme, die von Spezialklubs betreut werden.

 

   Erfreulicherweise hat die Zucht dieser Rasse in jüngster Zeit auch in Dänemark und Finnland einen beachtlichen Aufwärtstrend erlebt. In den USA, Kanada, Neuseeland und Südafrika haben die Schipperkes schon seit längerer Zeit viel Anerkannung und Freunde gefunden, sodaß es dort viel mehr Hunde dieser Rasse gibt als in Europa.

 

 

   Schipperkes werden typischerweise ohne Ruten geboren (*), besitzen sie dennoch welche, so werden sie kupiert. Da in einigen Ländern ein Kupierverbot existiert (so etwa in Schweden, Norwegen und Dänemark) (*), besitzen dort eine Vielzahl von Schipperkes Ruten, die manchmal säbelartig nach unten, meist jedoch über den Rücken getragen werden.

   Der FCI-Standard erlaubt ausschließlich eine Farbe: schwarz.

 

   Als Besonderheit der Rasse ist die Tatsache zu erwähnen dass Schipperkes kaum Eigengeruch haben. Sie nehmen den Geruch ihrer Besitzer an; so kommt es, dass er nach Parfum duften kann.

 

   Der Schipperke ist ein sportlicher Hund, der erstaunlich schnell ist.

   Wegen seines natürlichen Appells ist er auch für Anfänger und Senioren geeignet, wenn er genügend Auslauf bekommt. Er ist kerngesund, wetterfest, unverwüstlich und wird sehr alt. Es gab Schipperkes die zwanzig Jahre alt wurden und noch recht munter waren. Markantes Wesensmerkmal dieser Rasse ist die Wachsamkeit und das abweisende Verhalten gegenüber Fremden.

 

   Der bekannte belgische Züchter Louis van der Snickt, der bis 1955 Schipperkes unter dem Zwingernamen “de L’Espérence” züchtete, beschreibt den Charakter dieser Rasse treffend so:

-“Vom Terrier hat der Schipperke nicht mehr, als dass er wie dieser gern Mäuse fängt, doch geht es höchstens auf einen Iltis, nicht auf Füchse und Dachse, er ist zu vorsichtig, um sich mit blinder Wut wie ein Terrier auf größeres Raubzeug zu stürzen. Er hat viel Verstand; es ist wie mit dem Dachshund (Teckel), seine Gedanken und Manieren sind anders als die der anderen Hunderassen. Er versucht sich immer ein gewisses Ansehen zu geben, bemüht und kümmert sich um alles und folgt doch nur seinem Herr. Wenn man ein Fenster oder eine Tür öffnet, so drängt er sich herbei, um zu sehen, was draußen vorgeht. Er is kein weichlicher Schoßhund, liebt es viel mehr im Freien zu sein und ist unermüdlich”.

 

   Der Schipperke ist reinlich und hat eine ausgesprochene Vorliebe für Pferde.

   Diese Hunde erreichen ihre vollkommene Ausbildung erst im Laufe ihres zweiten Lebensjahres; dann erst ist den Kragen (Mähne) und die Hose (Federbehaarungan an den Hinterläufen) richtig ausgebildet, was ihnen sehr viel Ausdruck verleiht. Die Hündinnen sind durchschnittlich kleiner und zierlicher gebaut als männliche Schipperkes.

 

                                                                                                               Arne Schwarz  

 

 

(*) Aktualisierung (Dr. R. Pollet):

-        Die meisten Schipperkes werden mit einer kompletten Rute geboren, aber auch ziemlich viele mit einer Stummelrute oder rutenlos.

-        Heutzutage gibt es in den meisten Ländern ein Rutenkupierverbot (im Mutterland Belgien seit 2006).